Gesunde Fachkräfte, gute Bildung: Personal und Qualität in der frühen Bildung sichern

In einer Stellungnahme der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) wird die Situation im frühkindlichen Bildungs- und Betreuungssystem mit besonderem Fokus auf die Fachkräfte und ihre Gesundheit angesehen. Das System der frühen Bildung und Betreuung steht nicht nur durch den Personalmangel der letzten Jahre unter Druck, sondern auch durch Herausforderungen der Fachkräftesicherung. Die SWK empfiehlt gezielte Strategien zur Gesundheitsförderung – auf individueller, organisatorischer und systemischer Ebene zur Stärkung von Fachkräften und Kindern: Gesundheit der Fachkräfte als Schlüssel für gute Bildung in Kitas.

Das System der frühen Bildung und Betreuung steht durch inhaltliche Anforderungen, den Personalmangel der letzten Jahre und die Fachkräftesicherung unter Druck. Viele Einrichtungen sind von hoher Personalfluktuation und hohen Krankenständen betroffen, häufig bedingt durch psychische Belastungen. Dies gefährdet nicht nur die Verlässlichkeit der Betreuung, sondern wirkt sich auch negativ auf die pädagogische Qualität aus: Gerade junge Kinder leiden unter wechselnden Bezugspersonen und Instabilität. Emotional erschöpfte Fachkräfte machen außerdem weniger Bildungsangebote.

Vielfältige Belastungsfaktoren

Frühpädagogische Fachkräfte sind mit vielfältigen Belastungsfaktoren konfrontiert wie einer hohen Interaktionsdichte, Zeitdruck und Lärm. Gleichzeitig existieren Ressourcen, die zur Stressreduktion beitragen können wie kollegialer Austausch, Wertschätzung, Mitgestaltungsmöglichkeiten, unterstützende Führung, Fort- und Weiterbildungsangebote sowie individuelle Strategien der Selbstregulation. Auf systemischer Ebene beeinflussen bildungspolitische Entwicklungen wie die Erweiterungen des Bildungsauftrags die Rahmenbedingungen. Vor allem fehlende Zeitressourcen für Tätigkeiten außerhalb der direkten Arbeit mit den Kindern stellen eine Herausforderung dar.

Resilienz wird als die Fähigkeit verstanden, auch in Krisenzeiten vorhandene Ressourcen zu bewahren oder wiederzuerlangen. Sie spielt sowohl auf individueller als auch auf organisationaler und systemischer Ebene eine zentrale Rolle. Studien zeigen, dass Interventionen wie Achtsamkeitsübungen, Verhaltenstrainings, kollegiale Supervision in Präsenz und Onlineformaten positive Effekte auf das psychische Wohlbefinden der Fachkräfte haben können. Auf systemischer und organisationaler Ebene sind die Verbesserung der Personalschlüssel, die Bereitstellung von ausreichend mittelbarer pädagogischer Arbeitszeit sowie gut implementierte Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung bedeutsam. Professionalisierung kann wesentlich zur Gesundheitsförderung und Resilienz pädagogischer Fachkräfte beitragen. Der Führungsstil der Leitungs-kraft und das Teamklima sind zentral. Auch Lärmschutz, ergonomische Ausstattung und die unterstützende Einführung digitaler Technologien sind wichtige Faktoren zur Belastungsreduktion.

Freiwerdende Personalkapazitäten nutzen

Einige gesundheitsförderliche Maßnahmen lassen sich bereits kurzfristig umsetzen, etwa der Erhalt freiwerdender Personalkapazitäten durch den demografischen Wandel mit dem Ziel der Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen. Langfristig wirksam kann Gesundheitsförderung jedoch nur sein, wenn individuelle, organisationale und systemische Ansätze miteinander verknüpft werden. Eine resiliente Organisation braucht eine wertschätzende, fehlerfreundliche und transparente Kultur sowie eine enge Zusammenarbeit aller Ebenen – von der Fachkraft über die Leitung bis hin zu Trägern, Politik und Gesundheitsakteuren. Nur wenn wir die Gesundheit und Motivation der Fachkräfte als zentrales Fundament der frühen Bildung anerkennen, können wir Kindern langfristig eine qualitativ hochwertige Betreuung und Bildung bieten.

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) empfiehlt:

1. Die aktuell sich abzeichnende Entspannung der Fachkräftesituation zur Entwicklung von Strategien zur Gesundheitsförderung zu nutzen, die einen Beitrag zur Fachkräfte- und Qualitätssicherung leisten.

2. Die Gesundheit der Fachkräfte in der frühen Bildung auf systemischer, organisationaler und individueller Ebene zu fördern.

Dies umfasst:

  • – auf der systemischen Ebene der Ministerien, Rahmenbedingungen für die Gesundheitsförderung des pädagogischen Personals zu schaffen.
  • – auf der organisationalen Ebene der einzelnen Kindertageseinrichtungen und ihrer Träger, Handlungsspielräume vor Ort zur Gesundheitsförderung des pädagogischen Personals auszuschöpfen.
  • – auf der individuellen Ebene aller pädagogischen Fachkräfte, Gesundheitsförderung, Selbstund Emotionsregulation als professionelle Aufgabe zu begreifen.
  • – Ebenen übergreifend, Digitalisierung als Ressource nutzbar zu machen.

 

Über die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK)
Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) ist ein unabhängiges wissenschaftliches Beratungsgremium der Kultusministerkonferenz. Ihr gehören 16 Bildungsforscher:innen aus unterschiedlichen Disziplinen an. Die SWK berät die Länder zu bildungspolitischen Fragen. Sie identifiziert bestehende Herausforderungen und gibt evidenzbasierte Empfehlungen für deren Lösung. Dabei nimmt die Kommission eine interdisziplinäre, längerfristige und systemische Perspektive ein. Die SWK bindet externe Sachverständige in ihre Arbeit ein und hört Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, Bildungspraxis und Zivilgesellschaft an. Eine Geschäftsstelle unterstützt die Kommission bei ihrer Arbeit.

 

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Quelle: SWK