Neue Expertise zu Sprach- und Entwicklungsstand-Erhebungen

Die Prognos AG hat im Auftrag des BMBFSJF eine Expertise zur Umsetzung von Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen bei vierjährigen Kindern erstellt. Sie beschreibt, wie eine flächendeckende, verpflichtende Diagnostik aller Vierjährigen ausgestaltet und mit anschließenden Fördermaßnahmen verknüpft werden kann. Sie greift den Auftrag aus dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung auf, eine mit den Ländern abgestimmte Diagnostik im Rahmen eines Qualitätsentwicklungsgesetzes für die Kindertagesbetreuung einzuführen, und verbindet aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit praxisnahen Umsetzungsbedingungen.

In den Empfehlungen heißt es so u.a., dass die KiTa der geeignete Ort für die Erhebung des aktuellen Entwicklungsstands zur Identifikation passgenauer Entwicklungsbegleitung und ergänzender pädagogischer Fördermaßnahmen sei – denn „Kinder befinden sich in einer vertrauten Umgebung und werden von bekanntem pädagogischem Personal betreut, wodurch Erhebungen weniger wie formale Testsituationen wirken“. Dafür seien aber verlässliche Strukturen zu schaffen:

Verlässliche Strukturen notwendig

„Die Umsetzung von Sprach- und Entwicklungsstandserhebungen und anschließender bedarfsgerechter Fördermaßnahmen betrifft eine Vielzahl von Akteuren wie z. B. Träger, Fachberatungen, pädagogische und spezialisierte Fachkräfte sowie die Bundes- und Landesebene. Sie erfordert den Aufbau und die Weiterentwicklung geeigneter struktureller und organisatorischer Rahmenbedingungen sowie begleitender Unterstützungsmaßnahmen, insbesondere im Hinblick auf personelle, fachliche, finanzielle und räumliche Ressourcen, die auf gesetzlicher Ebene verlässlich abzusichern sind.“

Ressourcenorientierter Ansatz

In Bezug zur pädagogischen Zielsetzung stellt die Expertise klar:

„Die Sprach‑ und Entwicklungsstandserhebungen sollen nicht lediglich Auffälligkeiten identifizieren, sondern eine passgenaue Förderung aller Kinder ermöglichen. Dies erfordert eine Orientierung der Akteure hin zu einem ressourcenorientierten Ansatz, der die Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder in den Fokus stellt, anstatt sie primär über Defizite zu erfassen. Um das Risiko von Stigmatisierung und Ausgrenzung zu vermeiden, sollten die Ergebnisse primär als Grundlage für Förderung verstanden werden – als Einschluss‑ und Unterstützungskriterium, das sicherstellt, dass allen Kindern bedarfsgerechte Maßnahmen zugeordnet werden, und nicht als Instrument der Ausschließung oder Etikettierung. Der Fokus sollte darauf liegen, welche Kinder zusätzliche Unterstützung benötigen, um ihre Entwicklung bestmöglich zu fördern. Dieser Ansatz fördert Inklusion, weil er alle Kinder als förderwürdig versteht, Ausgrenzung vermeidet, individuelle Bedarfe in den Fokus stellt und das Kindeswohl als zentralen Maßstab setzt.“

Zum Download der Expertise

 

Quelle: PROGNOS AG