Kita als Ort der Gesundheitsförderung – gemeinsam gesund aufwachsen und arbeiten

Kindertageseinrichtungen sind Lebenswelten für Kinder, Eltern und Kita-Personal. Sie prägen das Wohlbefinden und die Gesundheit aller Beteiligten maßgeblich. Genau hier setzte der Fachtag „Kita als Ort der Gesundheitsförderung – gemeinsam gesund aufwachsen und arbeiten“ an, der am 17. Juni in Magdeburg stattfand und mit 180 Teilnehmer*innen aus Praxis, Wissenschaft und Politik auf große Resonanz stieß. Veranstaltet wurde er von der AG Gesundheit der BAG-BEK e.V., KinderStärken e.V., dem Kompetenzzentrum Frühe Bildung Sachsen-Anhalt (Hochschule Magdeburg-Stendal), der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung sowie der Techniker Krankenkasse (TK).

Gesundheitsförderung als Strukturelement in Kitas 

 

Susanne Borkowski

Nach Grußworten u.a. der Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt, Petra Grimm-Benne, eröffnete Professorin Dr. Susanne Borkowski, , die Tagung mit einer Keynote: „Kita und Gesundheit. Mehr als Apfelspalten und Bewegungspausen“. Deutlich wurde im Vortrag der Gesundheitswissenschaftlerin, Sprecherin der AG Gesundheit der BAG-BEK und Vizepräsidenten der Hochschule Magdeburg-Stendal: Gesundheitsförderung in der Kita richtet sich an drei Gruppen: Kinder, Eltern und Personal und sollte als Struktur angelegt sein: nicht als Zusatzprogramm, sondern eingeflochten in die Angebote und Routinen im Kita-Alltag. Auf der Grundlage der Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation stehen drei Strategien dafür zur Verfügung: die Befähigung (enable) Lebenswelten gesundheitsförderlich zu gestalten, die Vermittlung (mediate) von Wissen und Methoden, um Gesundheitsförderung als Struktur zu verankern und die anwaltliche Vertretung (advocate) in Öffentlichkeit und Politik, um  die notwendigen Rahmenbedingungen für ein gesundes Aufwachsen der Kinder sowie Wohlbefinden und Gesundheit für Familien und Kita-Personal sicherzustellen.

 

Organisationale und systemische Resilienz – Entwicklungsbedarf beim Schutz vor Gefährdungen der psychosozialen Gesundheit 

 

Petra Strehmel

In einer zweiten Keynote erläuterte Professorin Dr. Petra Strehmel aus Hamburg Konzepte der organisationalen und systemischen Resilienz. Neben dem Aufbau von Resilienz durch Schutzfaktoren, die die Auseinandersetzung mit widrigen Bedingungen und Krisen erleichtern, gilt es Vorkehrungen zu treffen gegenüber erwartbaren Risiken und Gesundheitsgefährdungen. Dazu gehören neben physikalischen, chemischen und biologischen Risiken (Hitze, Gifte, Infektionen) auch soziokulturelle Risiken durch soziale und gesellschaftliche Strömungen: Diskriminierung, Anfeindungen und Ausgrenzung können Kinder wie auch Erwachsene seelisch verletzen und ihre psychosoziale Gesundheit gefährden. Während präventive Maßnahmen zum Schutz vor Risiken für die physische Gesundheit in der Kita etwa durch gesetzliche Maßnahmen (z.B. Infektionsschutz, Arbeitsschutz) oder Sicherheitsvorschriften weitgehend gewährleistet sind, besteht erheblicher Entwicklungsbedarf im Hinblick auf die psychosozialen Risiken. 

 

Die „Schätze“ der Kinder zu heben stärkt Familien und Kita-Teams

Die Konzepte wurden vertieft mit einem Beispiel aus der Praxis: das bundesweit etablierte Programm „Schatzsuche“, das von Maria Gies von der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung erläutert wurde, befähigt Eltern, die Ressourcen ihrer Kinder („Schätze“) deutlicher wahrzunehmen und sie in ihrer Resilienz zu stärken. Die intensive Befassung mit den Schutzfaktoren stärkt die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz und hat zugleich Einfluss auf die Kita-Teams: es verändert Haltungen und die Zusammenarbeit im Team – und unterstützt so auch die Verankerung der Gesundheitsförderung in den Strukturen der Kitas.

Ansätze der Gesundheitsförderung auf allen Ebenen des Kita-Systems

In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Professor Dr. Raimund Geene (Sprecher der AG Gesundheit der BAG-BEK), diskutierten Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik und der TK über Potenziale und notwendige Rahmenbedingungen für die Gesundheitsförderung in Kitas.

Am Nachmittag befassten sich die Teilnehmer:innen in 11 Arbeitsforen intensiver mit ausgewählten Themen, darunter:

  • bindungsorientierte Pädagogik
  • Bedeutung von Bildschirmmedien für die Gesundheit kleiner Kinder
  • diskriminierungssensible Konzepte in der Kita
  • Gesundheitsförderung durch Partizipation
  • Gesundheitsförderung für Fach- und Leitungskräfte
  • Gesundheitsförderung durch Fachberatung
  • Unterstützung von Familien und Teams durch Kita-Sozialarbeit
  • gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen und strukturelle Maßnahmen durch Träger, System und Politik

Ressourcen nutzen, Risiken vorbeugen

Anschließend erläuterte Madlen Gelfert am Beispiel der TK, wie Kitas finanzielle Unterstützung zur Umsetzung von Maßnahmen der Gesundheitsförderung erhalten können.

 

Zum Abschluss des Fachtags, der von Anfang bis Ende von Maria Gies von der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung und Benjamin Ollendorf von KinderStärken e.V. moderiert wurde, würdigte die Vorsitzende der BAG-BEK, Professorin Dr. Petra Strehmel, das engagierte Eintreten der Teilnehmenden für das Wohlbefinden und die Gesundheit aller Beteiligten in der Kita. Sie ermutigte, trotz widriger Bedingungen und immer neuer Bedrohungen nicht locker zu lassen im Einsatz für gute und gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen in den Kitas. Denn was heute in der Frühen Bildung und Gesundheitsförderung versäumt wird, dürfte zusätzliche Kosten verursachen, die von der nachfolgenden Generation – zusätzlich zu all den anderen Lasten – zu tragen sind. Die Botschaft lautet: Bildung und Prävention sind Zukunftsinvestitionen in eine gesunde Entwicklung von Kindern und Familien sowie von Fach- und Leitungskräften in den Kitas.

Petra Strehmel

 

Tipp: Mitglieder der AG Gesundheit der BAG-BEK geben ein Buch zum Thema heraus, das auch als Grundlage für die Tagungsplanung diente:  Borkowski, S., Lattner, K. & Strehmel, P. (i. E.): Die gesundheitsförderliche Kita. Stuttgart: Kohlhammer.